Der Autismus ist inzwischen weiter verbreitet als in der Vergangenheit. Unschlüssig sind sich die Wissenschaftler über die Frage, ob die tatsächliche Zahl der Erkrankungen ansteigt, oder ob heute einfach die Diagnose besser gestellt werden kann. Unbestritten sind jedoch die Probleme, die betroffene Menschen mit Autismus auf dem Stellenmarkt haben. Mit dieser Frage beschäftigt sich besonders Professor Dr. Matthias Dalferth von der Hochschule Regensburg. Auf einem Kongress in Potsdam sprach er Anfang November über die Probleme und Chancen von Menschen mit Autismus beim Versuch, geeignete Stellen zu finden.
Autisten sind meist qualifizierbar
Der Professor hält die grundsätzliche Qualifizierbarkeit von Autisten für den Stellenmarkt durchaus für möglich, wenngleich er die Einschränkung macht, dass dies nicht für alle Formen der Erkrankung und nicht für alle Stellen auf dem Arbeitsmarkt gelten könne. Doch grundsätzlich habe sich die Situation von arbeitssuchenden Autisten durchaus verbessert, so der Tenor. Ob ein Betroffener einen geeigneten Job finden kann, hängt Dalferth zufolge von der Ausprägung der autistischen Behinderung ab. Das Berufsbildungswerk spiele hierbei eine große Rolle, denn neben einer beruflichen Qualifikation werde hier auch Wert auf die Vermittlung sozialer, lebenspraktischer und kommunikativer Kompetenzen gelegt. Gelingt es, bei den Betroffenen die Einschränkung durch den Autismus ausreichend zu kompensieren, erhöhen sich die Chancen für eine Vermittlung auf dem Stellenmarkt signifikant.
Stellenmarkt für Autisten öffnet sich langsam
Immer mehr Firmen öffnen sich auch der Möglichkeit, ihre Stellen an Behinderte und speziell an von Autismus betroffene Menschen zu vergeben. Gerade die oft vorhandenen speziellen intellektuellen Fähigkeiten können in manchen Branchen sogar ein Vorteil sein, da manche Betroffene über besondere Wahrnehmungsfähigkeiten verfügen, die Gesunde so nicht besitzen. Die Vorstellung von den unverstandenen Genies ist allerdings falsch und wird von Filmen und Büchern oft als Regelfall dargestellt, während diese Spezialfähigkeiten sich aber längst nicht bei jeder Form des Autismus nachweisen lassen. Sind sie allerdings vorhanden und besitzt der Betroffene eine ausreichende soziale und kommunikative Kompetenz, sind seine Chancen, eine Stelle zu bekommen, durchaus gut.
In den USA bekommen Autisten einfacher Jobs
In Deutschland und Europa ist die Zahl der von Autismus betroffenen Menschen auf dem ersten Stellenmarkt aber immer noch rückläufig. Statistiken gehen von weniger als fünf Prozent aus. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel USA. Hier sind zwischen 25 und 30 Prozent der Betroffenen am ersten Arbeitsmarkt vermittelbar. Dies mag auch an der rigorosen Gesetzgebung liegen, die in den Vereinigten Staaten eine Diskriminierung von Behinderten allgemein sehr viel stärker unter Strafe stellt als hierzulande. Zwar muss auch in Deutschland ein Teil der Stellen an Behinderte vergeben werden, doch können Firmen sich immer noch aus dieser Pflicht „herauskaufen“ oder kommen ihr schlicht nicht nach. Hier gibt es noch viel zu tun, bis auch diese Personengruppe eine Chance auf adäquate Jobs bekommt.